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DIE BESTMANNOPER

Oper in dreizehn Szenen für 14 Gesangsolisten, Frauen- und Männerchor, Orchester, Tasteninstrumente und Theremin. Libretto: Ralph Hammerthaler. Dauer: ca. 2'15''. Uraufführung: 8.4.2006. Auftraggeber: Theater Osnabrück. Musikalische Leitung: Hermann Bäumer, Regie: Immo Karaman, Ausstattung: Timo Dentler, Okarina Peter, Dramaturgie: Carin Marquardt, Choreinstudierung: Peter Sommerer.

 

Szene aus der Bestmannoper

Mark Bowman-Hester (Bestmann), Natalia
Atamanschuk (Anni) © Foto von Klaus
Fröhlich / Theater Osnabrück

Die Oper greift den Fall Alois Brunner auf. Brunner war Adolf Eichmanns rechte Hand, sein "bester Mann", einer der brutalsten, skrupellosesten und aktivsten Täter des Dritten Reiches. Trotz intensiver Ermittlungen des Ehepaares Beate und Serge Klarsfeld, Brunner zu fassen und vor Gericht zu stellen, gelang es diesem immer wieder unterzutauchen, zuletzt in arabischen Ländern und sich den Richtern und seiner Strafe zu entziehen. Der Komponist und sein Librettist haben das dokumentarische Material auf eine sehr eigenständige, eigenwillige, groteske Weise verarbeitet und in eine Kunstform gebracht, die das Skandalöse, Makabre und Absurde dieses authentischen Falles, welches exemplarisch den Umgang mit vielen großen Naziverbrechern zeigt, besonders scharf hervortreten lässt. Makaber und grotesk in einer Weise, die einem das Lachen im Hals stecken bleiben lässt.
(Vorwort aus dem Programmheft zur Uraufführung von Carin Marquardt)

siehe auch Presseberichte >>>.

 

Kurze Projektbeschreibung von Alex Nowitz

Die Bestmannoper ist ein musikdramatisches Werk von abendfüllender Länge. Das Libretto des Autors Ralph Hammerthaler beruht auf wahren Gegebenheiten, frei nach dem Buch "Die Akte Alois Brunner. Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist" von Georg M.Hafner und Esther Schapira. Seit dem Entstehen der Nationaloper im 19. Jahrhundert hat sich die Oper als Genre großen gesellschaftlichen und politischen Themen zugewandt. Die Bestmannoper bewegt sich in gewisser Weise in dieser Traditionslinie, ist eine 'Nationaloper', aber mit umgekehrten Vorzeichen: es geht um den Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe, genauer gesagt um den Mythos von der Vergangenheitsbewältigung.
Die Hauptfigur der Oper heißt 'Bestmann'. Dessen Lebensetappen werden durchlaufen, 1938 beginnend und bis zur Gegenwart heranreichend. Die Figuren sind überzogen und grotesk gezeichnet, zum einen durch die Wahl einer von Dialekt gefärbten Kunstsprache, zum anderen durch eine theatral geführte Musik, welche die Hysterie, die sich hinter der Geschichte verbirgt, offenlegt. Der Gegenspieler Bestmanns ist 'Jaccuse', eine Figur, die von dem Vorbild des französischen Rechtsanwalts Serge Klarsfeld, einem der erfolgreichsten und bekanntesten Nazijäger, inspiriert wurde. Das Musiktheater erlaubt eine gewisse Abstraktion bzw. Überhöhung des Sujets. Die Vorlage ist zwar noch zu erkennen, daraus entstanden ist allerdings ein eigenständiges Kunstprodukt jenseits des dokumentarischen Theaters: eine groteske Oper. (März 2006)

 

Ansichtsproben

Szene 5: Man muss - Seiten 17 bis 21  Ansichtsprobe Man muss - Szene 6 - Seiten 17 bis 21
Szene 6: Alles wird Gut - Seiten 1 bis 3 Ansichtsprobe Alles wird gut - Szene 6 - Seiten 1 bis 3
Szene 6: Alles wird Gut - Seiten 37 bis 40  Ansichtsprobe Alles wird gut - Szene 5 - Seiten 17 bis 40

 

Klangproben

Szene 6: Alles wird gut. Fassung für die Kammeroper Schloss Rheinsberg: reduzierter Streicherapparat. Mitschnitt der Generalprobe vom 12.08.2004.
Externer Link zum Veranstalter: www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de

Klangprobe zur Bestmannoper -„Aufmachen und zwar sofort“:
Titel
Platzhalter
Interpreten
Platzhalter
Klangprobe
Platzhalter
„Aufmachen und zwar sofort“
(0'33'')

Hartmut Kühn („Bestmann“)
Gabriel Urrutia Benet („Doppler“)
Lars Grünwoldt („Jaccuse’ Vater“)

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"Der Winter ist kalt im Osten ganz bitter"
(1'27'')

Agnieszka Piasecka
("Frauenstimme 1 in Jaccuse' Kopf")
Claudia Herr
("Frauenstimme 2 in Jaccuse' Kopf")
Sibylle Hummel
("Frauenstimme 3 in Jaccuse' Kopf")

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"Ich hörte das"
(1'41'')

Hubert Wild ("Jaccuse")

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Historisches: Zur Person Alois Brunner

Alois Brunner wurde am 8.4.1912 in Rohrbrunn, einem Dorf im Burgenland (Österreich) geboren.
Im November 1938 kommt er nach Wien, wo er bald Freund und engster Mitarbeiter von Adolf Eichmann in der 'Zentralstelle für jüdische Auswanderung' wird. In Eichmanns Auftrag organisiert er die Deportationen der österreichischen Juden in die Vernichtungslager. Noch Mitte der achtziger Jahre wird sich Brunner damit brüsten, dass er Wien 'judenrein' gemacht hat. Immer dann, wenn irgendwo die Deportation der Juden stockt, setzt Eichmann auf seinen "besten Mann" und Brunner ist zur Stelle: in Berlin, Saloniki, Paris, Nizza, Bratislava. Insgesamt schickt Brunner von Oktober 1939 bis März 1945 über 120 000 Menschen in den Tod.

Nach dem Krieg gelingt es Brunner unterzutauchen. Zunächst ist er unter falschem Namen als Bergarbeiter im Ruhrgebiet tätig, bevor er sich nach Syrien absetzt und seine zweite Karriere beginnt. Der 'Judenjäger' arbeitet für die syrische Regierung. Die Spuren dieses Skandals führen auch zum amerikanischen und zum deutschen Geheimdienst. In Frankreich wird er dreimal in Abwesenheit zum Tode verurteilt, zwei Briefbomben, die vermutlich der israelische Geheimdienst schickt, kosten ihn vier Finger und ein Auge. Netanjahu klagt ihn Mitte der achtziger Jahre vor der UN-Vollversammlung an - aber ansonsten lebt der größte noch lebende Kriegsverbrecher unbehelligt."

(Umschlagtext zum Buch "Die Akte Alois Brunner. Warum einer der größten Naziverbrecher immer noch auf freiem Fuß ist." von Georg M. Hafner und Esther Schapira, erschienen im Campus Verlag Frankfurt/New York, 2000.)