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Streichtrio Nr. I
"...und ich wollte immer das Lächeln malen, aber es ist mir niemals gelungen...", eine Hommage an Francis Bacon

(entstanden als Auftragswerk für die Tanzproduktion "Screaming Popes" von Marie-Josée Chartier im Juli 2004)

für das Streichtrio von Lisa Lammel (Uraufführung am 8.9.2004 in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung)

Ansichtsproben

Streichtrio Nr. 1 - Seiten 1 und 6  Ansichtsprobe Streichtrio Nr. I - Seiten 1 bis 6

Klangprobe

Klangprobe zur Bestmannoper -„Aufmachen und zwar sofort“:
Titel
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Interpreten
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Klangprobe
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„...in Verbindung mit einer anderen Welt...
mysteriös...“ Ausschnitt aus Streichtrio Nr. I
(0'33'')

Streichtrio von Lisa Lammel (Hamburg/Berlin)

FAIL (Ihr Browser sollte Flash Audio Inhalt darstellen und nicht dies!).

 

Programmnote:

Das Streichtrio Nr. I ist aus einer Zusammenarbeit mit der Choreografin Marie-Josée Chartier (Toronto) für die Tanzproduktion "Screaming Popes" entstanden. Inspirationsquelle und künstlerischer Ausgangspunkt sowohl der Choreografie als auch der Musik ist eine Serie von Papstbildern von Francis Bacon, der sich intensiv mit dem Portrait "Innonzenz X." des Renaissancemalers Diego Velázquez auseinander setzte.

Mich fasziniert an den Bildern Bacons zum einen seine wurfartige Maltechnik, die es ihm ermöglicht, eine Dimension der Zeit in seinen Bildern entstehen zu lassen, und zum anderen der unmittelbare Ausdruck von Archaischem, Ursprünglichem, Gewaltigem und Kräftigem, das er Momenten von Fragilität, Verletzbarkeit und Sehnsucht gegenüber stellt. Ich habe versucht, die expressive Kraft Bacons, die auf erstaunliche Weise abstrakte Anteile mit figürlich, konkreten Gestaltungselementen verbindet, musikalisch einzufangen.

Hinsichtlich der Realisierung dieses Vorhabens seien aus der Vielzahl vorhandener Aspekte nur zwei genannt:
Das wohl ‚augenfälligste' Beispiel hinsichtlich der musikalischen Umsetzung sind die „Luftschläge“ - wie ich sie nenne – in denen ich die musikalische Metapher zu Bacons Maltechnik herzustellen versuche: schwung- und kraftvolles Schlagen des Bogens in der Luft. Das verschiedentlich gespannte Bogenhaar der drei Streichinstrumente ergibt „Sounds“ unterschiedlicher Klangfärbung: es entstehen Dichotomien von hell/dunkel oder dünn/fleischig.

Ein Motiv, das sehr eindrucksvoll in vielen der Triptychen von Francis Bacon zum Ausdruck kommt, ist das der Isolation. Im Streichtrio Nr. I sind es die drei einzelnen Stimmen, die beinahe autistische Züge tragen, wenn sie sich, scheinbar voneinander unbemerkt, nur in ihren eigenen definierten Räumen bewegen; z.B. in jenem Teil, in dem alle bei gleichzeitigem Triller durch den Tonraum auf- und abgleiten. Mittels eines obligatorischen Pulses sind die Instrumentalisten jedoch immer miteinander verbunden. Sie bewegen sich aufeinander zu und wieder voneinander weg. Dies mag vergleichbar sein mit dem Beziehungssystem, das sich zwischen den drei Einzelbildern eines Triptychons herstellt, die zwar örtlich voneinander getrennt sind, aber immer auch aufeinander verweisen und trotz der Eigenständlichkeit ein zusammengehöriges Ganzes bilden.

Postdam, der 16.9.2004
Alex Nowitz